tageblatt 12.09.1989
Drei Monate auf
Sendung
Medernacher
Lokalradio 'M103' dichtgemacht
Ursache: Störung
des Funkverkehrs der Luftfahrt
Wie wir gestern erst erfahren haben, wurde bereits am
Mittwoch ver-gangene.r Woche der Lokalradio,Radio M 103"
zeitweilich geschlossen. Auf richtertliche Anweisung hin
beschlagnahmten Beamte der Diekircher,,Section de
recherches" und der Gendarmeriebrigarden aus Diekirch,
Fels, Fischbach, Junglinster und Mersch das gesamte
Material der Manschaft.
Medernach - Es war 19.00 Uhr am letzten Mttwoch, als nach
dem ,Felerowendmagazin' Kaffi im Senderam im Keller des
,Café des Sports' Gendarmeribearnte erschienen, um den
verdutzten Radiomachem die Schliessung ihres Lokalsenders
mitzuteilen. Beschlagnahmt wurden neben dem Sender und der
An- tenne auch Plattenspieler, Schallplatten, CDs,
Musikkassetten usw. Im Gesamtwert: 280.000 Flux
Schliessung ohne Warnung
Gleichzeitig erschienen Beamte in den Privatwohnungen der
sieben Verantwortlichen, die seit dem 19. Mai dieses Jahres
jeweils Mittwochs von 12.00 bis 18.00 Uhr aus der Konserve
und von 18.00 bis 24.00 Uhr ,live" auf Sendung waren.
Die Mitglieder des eingetragenen Vereins “Lokalradio
Medernach” waren vorher nicht über die bevorstehende Räumung
des Studios infor- miert worden, und auch am Tag der Aktion
wurde ihnen der Grund des Befehls nicht eindeutig mitgeteil.
Wie wir bei unseren Nachforschungen gestern Abend
herausfanden, hatte die
Post
festgestellt, dass Radio ,M103" (mit einer Reichweite von
wenigen Kilometern) den Funkverkehr der zivilen Luftfahrt
störte. Dies wahrscheinlich durch die Nähe der
Funkrichtstation ,Goldknapp" bei Diekirch, die eine der
Nord-Süd-Flugrouten Europas lotst.
Wie geht es jetzt weiter?
Den „M103"-Verantwortlichen missfiel vor allem die Art und
Weise, wie sie von gleich fünf Gendarmeriebrigaden
„überfallen" wurden. Im ganzen Dorf kurvten Gendarmeriewagen
herum, und alle „Verdächtigen" wurden einzeln in den Wagen
verhört. Man ist sich vorgekommen, so ciner der
„Radio-Macher“; wie Kriminelle.
Sogar die Brigade von Redingen/Attert war eingeschaltet
worden, da einer der Verantwortlichen des Radioverein in Ell
zu Hause ist.
In der Zwischenzeit hat „Lokalradio Miedemach“ einen Anwalt
mit der Verteidigung seiner Interessen beauftragt. Wie sie
sich die Zukunft des jungen Senders vorstellen, werden die
Radiomacher in einigen Woehen der Öffentlichkeit in einer
Versarnmlung vortragen.
Denn in Medernach und Umgebung war man eigentlich ganz froh
über die mittlerweil wochenabendliche Abwechslung aus dem
Äther gewesen...ROM